Was war euer Berufswunsch als Kind – und steckt davon heute noch etwas in euch?
Anduena: Als Kind wollte ich unbedingt Detektivin werden. Mich faszinierte die Vorstellung, Geheimnissen auf die Spur zu kommen, Dinge zu hinterfragen und das Unerklärliche erklärbar zu machen. Auch wenn ich heute nicht mit Lupe und Notizblock unterwegs bin, erkenne ich viele Parallelen zu meiner Rolle als Führungskraft. Ich gehe den Dingen gerne auf den Grund – insbesondere, wenn es darum geht zu verstehen, was meine Mitarbeitenden beschäftigt, was sie motiviert und wo ihr Potenzial liegt. Mein Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich dieses Potenzial entfalten kann. In gewisser Weise bin ich also doch Detektivin geblieben – nur mit einem anderen Fokus.
Jelena: Ich wollte Pilotin werden. Dies, weil ich wissen wollte, wie man ein komplexes System steuert, den Überblick behält und auch bei Turbulenzen einen kühlen Kopf bewahrt. Heute bin ich Anwältin und arbeite als Juristin bei der Baudirektion des Kantons Zug – und ehrlich gesagt: Der Unterschied ist kleiner, als man denkt. Auch hier braucht es Weitsicht, eine klare Route und manchmal kreative Manöver, um zwischen rechtlichen Vorgaben, politischen Interessen und praktischen Lösungen zu navigieren. Ich bin vielleicht nicht über den Wolken, aber definitiv mitten im Geschehen – mit Verantwortung, Koordination und dem Blick aufs grosse Ganze.
Was ist das beste daran, als Co-Präsidentinnen das wif zu leiten?
Für uns ist es eine grosse Bereicherung, das wif zu zweit zu leiten. Nicht nur, weil wir uns blind verstehen, sondern weil wir uns durch unsere unterschiedlichen Hintergründe und beruflichen Erfahrungen ideal ergänzen. Uns verbinden dieselben Werte, und genau das macht unsere Zusammenarbeit so wirkungsvoll.
Uns ist bewusst: Es braucht ein Umdenken in den bestehenden Strukturen. Nur wenn Organisationen, Unternehmen und Institutionen bereit sind, Diversität zu fördern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als selbstverständlichen Teil moderner Arbeitskultur zu leben, kann echte Chancengleichheit entstehen. Dafür sind auch auf politischer Ebene strukturelle Anpassungen notwendig – sei es in der Familien-, Bildungs- oder Arbeitsmarktpolitik. Frauen zu stärken und zukunftsfähige Rahmenbedingungen zu schaffen – das treibt uns an.
Wenn ihr nur eine Sache ändern könntet, um Frauen in der Wirtschaft langfristig zu stärken – was wäre es?
Wenn wir eine Sache ändern könnten, dann wäre es die Möglichkeit, auf struktureller Ebene wirklich etwas zu bewegen. Denn es reicht nicht, Frauen einfach Werkzeuge in die Hand zu geben, damit sie gesellschaftliche Normen effizienter erfüllen. Was es braucht, sind klare, fortschrittliche Rahmenbedingungen: mehr Sichtbarkeit für das Thema Familie in der Wirtschaft, eine echte Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie Strukturen, die es Frauen ermöglichen, ohne permanente Selbstoptimierung Karriere zu machen. Andere Länder wie Norwegen zeigen, dass es geht. Daran sollten wir uns orientieren – nicht nur im Interesse der Frauen, sondern im Interesse einer starken, vielfältigen und zukunftsfähigen Wirtschaft.
Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für alle neu zu denken, benötigen wir auch eine Kultur, die Care-Arbeit grundsätzlich wertschätzt. Wenn wir Strukturen schaffen, die es allen ermöglichen, beruflich und privat zu wachsen, profitieren nicht nur Frauen, sondern die gesamte Wirtschaft.
Worauf freut ihr euch im wif-Jahr ganz besonders?
Wir freuen uns auf den persönlichen Austausch mit den Frauen, die inspirierenden Begegnungen und die Energie, die entsteht, wenn sich Frauen vernetzen und gegenseitig stärken. Besonders gespannt sind wir auch auf das tolle Programm, das vor uns liegt, mit engagierten Referentinnen und vielfältigen Impulsen.
Anduena Berisha absolvierte eine Banklehre und ist seither in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig. Heute leitet sie als Marktgebietsleiterin das Team Unterwalden. Sie verfügt über einen Bachelor in Betriebsökonomie sowie einen MAS in Business Psychology und bringt langjährige Führungserfahrung mit. Die Förderung von Frauen ist ihr ein wichtiges Anliegen – sowohl im beruflichen Umfeld als auch darüber hinaus.
Jelena Vokinger ist Anwältin und arbeitet als Juristin bei der Baudirektion des Kantons Zug. Vor kurzem hat sie noch einen CAS in «Contract Management» absolviert. Als Co-Präsidentin des Wirtschaftsforums für Frauen engagiert sie sich dafür, Frauen in der Wirtschaft zu vernetzen und zu stärken. Mit ihrer Expertise im Baurecht und ihrer Leidenschaft für Gleichstellung bringt sie rechtliche Präzision und strategisches Denken in ihre Rolle ein.